Israels Armee meldet Sprengstofftransport aus dem Kamal-Adwan-Krankenhaus

Nach Militärangaben legte einer von zwei getroffenen Männern Sprengsätze nahe israelischen Soldaten. Der Zivilschutz beschreibt den identifizierten Mann als Helfer auf einem Rettungseinsatz.
Die israelischen Streitkräfte haben nach eigenen Angaben am 7. Oktober zwei Hamas-Mitglieder getötet, nachdem Soldaten sie beim Verlassen des Kamal-Adwan-Krankenhauses im Norden Gazas beobachtet hatten. Einer soll Sprengstoff mitgeführt und anschließend nahe israelischen Truppen platziert haben. Der palästinensische Zivilschutz bezeichnete einen der Toten als freiwilligen Rettungshelfer und widersprach der Darstellung seiner Tätigkeit.
Der Angriff erfolgte in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch. Umstritten bleibt vor allem, was die Männer unmittelbar vor dem Angriff taten.
Was das Militär berichtet
Laut IDF brachte einer der Männer Sprengsätze aus dem Krankenhaus zur Gelben Linie, um israelische Soldaten anzugreifen. Beide seien kurz nach ihrer Identifizierung getroffen worden.
Das Militär wirft den Männern außerdem vor, zuletzt vom Krankenhaus aus Angriffe vorbereitet und an der Wiederherstellung militärischer Fähigkeiten der Hamas gearbeitet zu haben. Dies habe gegen die Waffenruhe verstoßen. Nach Angaben der Jerusalem Post veröffentlichten die IDF dazu Aufnahmen. Die Behauptungen über den Sprengstoff und seine Herkunft sind nicht unabhängig belegt.
Eine Identität, unterschiedliche Darstellungen
Die IDF nannten Muhammad Tammous als einen der Getöteten. Er sei Scharfschütze des militärischen Hamas-Arms gewesen und habe zugleich für den Zivilschutz in Gaza gearbeitet. Aus der veröffentlichten Darstellung geht nicht eindeutig hervor, ob Tammous der Mann gewesen sein soll, der die Sprengsätze platzierte.
Zivilschutzsprecher Mahmoud Bassal beschrieb ihn dagegen als freiwilligen Helfer auf dem Weg zu Verletzten nahe dem Krankenhaus. Auch Al Jazeera berichtete unter Berufung auf den Zivilschutz und eine medizinische Quelle über diese Version. Der zweite Mann wurde in den ausgewerteten Berichten nicht namentlich genannt.
Ein Videobericht der Nachrichtenagentur Anadolu ergänzte, palästinensische Gesundheitsquellen hätten erklärt, Tammous sei seinen Verletzungen erlegen, nachdem er versucht habe, Verletzte nahe dem Krankenhaus zu retten. Die palästinensische Zivilschutzdirektion habe in einer Beileidsbekundung erklärt, er sei bei humanitären Aufgaben getötet worden. Seine Rolle bei der Hamas bleibt eine Behauptung der IDF, die Rettungsversion die palästinensische Darstellung.
Die beiden Darstellungen betreffen sowohl Tammous' Zugehörigkeit als auch seine konkrete Tätigkeit. Das Militär behauptet eine Hamas-Funktion zusätzlich zur Arbeit im Rettungsdienst. Die palästinensische Seite beschreibt einen Hilfseinsatz im Moment des Angriffs. Die Anerkennung seiner Zivilschutzarbeit klärt daher allein noch nicht den Streit über die weitere ihm zugeschriebene Rolle.
Ein eigener Vorgang im Norden Gazas
Der Vorfall folgt auf die IDF-Mitteilung vom 6. Oktober über die Zerstörung eines etwa 1,5 Kilometer langen Tunnels im Norden Gazas. Bei jener Operation ging es um unterirdische Infrastruktur. Die neue Darstellung betrifft dagegen einen mutmaßlichen Versuch, Sprengstoff nahe eingesetzten Truppen abzulegen. Einen Zusammenhang zwischen beiden Ereignissen stellte das Militär nicht her.
Zugleich beging Israel den dritten Jahrestag des Hamas-Massakers vom 7. Oktober 2023. Damals wurden etwa 1.200 Menschen ermordet und 251 verschleppt. Frühere israelische Warnungen hatten mögliche Angriffe rund um den Jahrestag betroffen. Der Krankenhausvorfall ist ein konkreter militärischer Bericht innerhalb dieser Sicherheitslage. Die gegensätzlichen Angaben zu Tammous' letzten Bewegungen bleiben dabei offen, ohne dass frühere Vorfälle den Ablauf dieser Nacht bereits beweisen könnten.



