Reuters meldet 200 Millionen Dollar aus Iran für Hisbollah, USA widersprechen

Zwei Quellen schildern eine Bargeldlieferung im September mit hoher Vermittlungsgebühr. Washington bestreitet, dass das Geld existiert. Die Hisbollah bestätigt lediglich Mittel für einen geplanten Hilfsprogramm.
Die Hisbollah hat im September 200 Millionen Dollar Bargeld aus Iran erhalten, um libanesischen Familien zu helfen, die der Krieg mit Israel vertrieben hat. Das berichtete Reuters am 7. Oktober unter Berufung auf zwei ungenannte Personen mit direkter Kenntnis des Transfers. Die USA widersprachen: Der Sprecher des Außenministeriums, Tommy Pigott, erklärte, dieses Geld existiere nicht, und warf der Organisation vor, einen finanziellen Zufluss zu erfinden.
Ein Hisbollah-Funktionär bestätigte der Nachrichtenagentur, dass Mittel gesichert worden seien, nannte jedoch weder Betrag noch Herkunft. Iran und die libanesische Regierung reagierten zunächst nicht auf Anfragen von Reuters. Der Transfer bleibt damit umstritten; Transaktionsunterlagen wurden nicht veröffentlicht.
20% Gebühr für den Bargeldtransport
Den beiden Quellen zufolge verlangten die Vermittler wegen der Risiken im Umgang mit Hisbollah-Geldern eine Provision von 20%. Eine Quelle bezeichnete das als viermal so viel wie den üblichen Satz.
Die genannte Gebühr verdeutlicht die Schwierigkeiten des Finanznetzwerks. Wie das Bargeld in den Libanon gelangt sein soll, erklärten die Quellen jedoch nicht. Offen blieb auch, ob die Provision in den 200 Millionen Dollar enthalten war oder zusätzlich bezahlt wurde. Ein geringerer tatsächlich eingegangener Nettobetrag lässt sich daraus deshalb nicht berechnen.
Geplante Zahlungen an vertriebene Familien
Die Quellen beschrieben eine erste Zahlung von 3.000 Dollar pro Familie. Vorrang hätten Bewohner zerstörter Dörfer oder solcher Orte, die wegen israelischer Kontrolle nicht zugänglich seien. Eine Quelle schätzte die Zahl der Familien in dieser Gruppe auf rund 50.000.
Der Hisbollah-Funktionär kündigte einen Verteilungsplan für die kommenden Tage an, ohne ein Datum zu nennen. Bereits im September hatte Hisbollah-Chef Naim Qassem von einer Wohnungsinitiative für Tausende Vertriebene gesprochen, finanziert aus verfügbaren Mitteln und Spenden.
Das Versprechen hat auch politisches Gewicht. Reuters verwies darauf, dass Hilfe und Wiederaufbau der Hisbollah nach dem Krieg von 2006 Unterstützung sicherten. Im jüngsten Konflikt sei bei den vertriebenen Familien deutlich weniger Hilfe angekommen. Die vorgesehenen Zahlungen sind daher sowohl für die Haushalte als auch für den Rückhalt der Organisation bedeutsam.
Druck auf das größere Finanznetzwerk
Iranische Mittel sind seit Langem eine zentrale Finanzierungsquelle der Hisbollah. Das US-Finanzministerium nannte im Oktober 2019 eine historische Schätzung von etwa 700 Millionen Dollar jährlicher Unterstützung aus Iran. Diese Zahl beschreibt keinen aktuellen Haushalt. Am 6. November 2025 erklärte das Ministerium, die iranischen Quds-Einheiten hätten seit Jahresbeginn mehr als eine Milliarde Dollar an die Hisbollah transferiert, überwiegend über Geldwechselunternehmen.
Andere Maßnahmen richteten sich gegen den Zugang zu Finanzdienstleistungen. Im Juli 2025 sanktionierte Washington sieben Funktionäre und ein Unternehmen mit Verbindungen zu Al Qard al Hassan, dem von der Hisbollah kontrollierten Finanzinstitut. Anschließend untersagte die libanesische Zentralbank zugelassenen Finanzinstituten Geschäfte mit der Einrichtung.
Auch Flughafenkontrollen gehörten zu diesem Druck. Im Februar 2025 beschlagnahmte der Libanon 2,5 Millionen Dollar bei einem aus der Türkei eingereisten Passagier. Reuters-Quellen bezeichneten die Hisbollah als Empfänger; die Mitteilung des libanesischen Finanzministeriums nannte die Organisation nicht.
Warum Israel die Finanzströme angreift
Israel ist gegen andere Netzwerke vorgegangen, um den militärischen Wiederaufbau der Hisbollah zu behindern. Am 1. Juli 2026 meldete sein Verteidigungsministerium Sanktionen gegen 37 Kryptowährungs-Wallets mit einem Gesamtwert von mehr als 24 Millionen Schekel. Sie gehörten nach Angaben des Ministeriums zu einem Finanzierungsnetz der iranischen Revolutionsgarden für die Hisbollah und weitere Gruppen.
Diese früheren Fälle erklären die Sicherheitsbedenken bei neuen iranischen Zahlungen. Sie belegen jedoch nicht, dass das zuletzt gemeldete Bargeld für Waffen bestimmt war. Die Reuters-Quellen nannten Hilfe für vertriebene Familien als Zweck.
Das libanesische Kabinett beauftragte die Armee im August 2025 mit einem Plan für die staatliche Kontrolle über Waffen, was die Hisbollah ablehnte. Washington verbindet den jüngsten finanziellen Druck mit Unterstützung für den Wiederaufbau durch die libanesische Regierung. Für wartende Familien wäre der nächste konkrete Schritt der angekündigte Verteilungsplan: Berechtigung, Zahlungstermine und der Weg des Geldes zu den Empfängern.



