Europas Städte verstärken zu Halloween den Schutz vor Ausschreitungen und Plünderungen

Zusätzliche Polizeikräfte und gesicherte Schaufenster prägen die Vorbereitungen auf Halloween-Demonstrationen in Teilen Europas. Wie groß die Gefahr von Gewalt ist, bewerten die Behörden allerdings von Stadt zu Stadt unterschiedlich.
Behörden und Einzelhändler in Frankreich, Spanien, Deutschland und den Niederlanden bereiten sich am Samstag, dem 31. Oktober, auf mögliche Unruhen vor. Anlass sind jüngste Ausschreitungen und neue Demonstrationsaufrufe im Internet. Die Maßnahmen reichen von zusätzlichen Streifen und eingeschränkten Demonstrationsrouten bis zu mit Holzplatten geschützten Schaufenstern in zentralen Einkaufsstraßen.
Die Vorbereitungen fallen mit Jugendprotesten für bessere Bildung, ein bezahlbares Leben und weitere politische Anliegen zusammen. Einige Behörden haben ausdrückliche Gewaltaufrufe festgestellt. Andere betonen, dass ihnen keine konkreten Erkenntnisse vorliegen, wonach die angekündigten Demonstrationen in umfangreiche Ausschreitungen münden könnten.
Frankreich mobilisiert landesweit 70.000 Einsatzkräfte
Das französische Innenministerium kündigte die Mobilisierung von 70.000 Polizisten und Gendarmen im gesamten Land an. Innenminister Laurent Nuñez warnte vor erhöhten Risiken, weil Demonstrationen und Halloween-Feiern zeitlich zusammenfallen.
Zum Einsatzkonzept gehören verstärkte Kontrollen auf Straßen und an Bahnhöfen, der Schutz von Einkaufsgebieten sowie bereitstehende Spezialeinheiten, Drohnen, Hubschrauber, gepanzerte Fahrzeuge und Wasserwerfer. Nach Angaben der Behörden rufen einige im Internet verbreitete Nachrichten ausdrücklich zu Gewalt und Plünderungen nach Einbruch der Dunkelheit auf.
In Paris führt die genehmigte Demonstrationsroute am Stadtrand von der Porte de Bagnolet zur Porte de Charenton. Nach den Schäden bei früheren Protesten sollen die Aufzüge damit von zentralen Geschäftsvierteln ferngehalten werden.
Das Ministerium erklärte, erlaubte Demonstrationen würden geschützt. Verbotene abendliche Versammlungen, die zu Gewalt anstacheln, würden dagegen aufgelöst. Frankreich steht vor dem dritten Protestwochenende in Folge. Die Bewegung begann mit Kritik an den Bedingungen in Schulen und weitete sich auf wirtschaftliche Forderungen aus.
Spaniens Geschäfte sichern ihre Fassaden
In Madrid, Barcelona, Valencia und Bilbao haben Händler ihre Schaufenster nach Online-Aufrufen unter dem Namen "Blocus" mit Schutzplatten abgedeckt. Auch aus Palma de Mallorca und Sevilla wurden Vorsichtsmaßnahmen gemeldet.
Hintergrund sind Plünderungen und Sachbeschädigungen in Barcelona am 24. Oktober. Nach Angaben des öffentlich-rechtlichen Senders RTVE bereitet die katalanische Polizei für das Halloween-Wochenende ihre höchste operative Sicherheitsstufe vor.
Die Stadt Valencia kündigte an, die ursprünglich für Halloween vorgesehenen zusätzlichen Kräfte der örtlichen Polizei zu verdoppeln. Bürgermeisterin María José Catalá bat die Bevölkerung, die Innenstadt am Samstagnachmittag zu meiden. Auf Wunsch der Nationalpolizei sollen außerdem Müllcontainer und Stadtmobiliar entfernt werden.
Madrid kündigte für den Feiertagszeitraum den Einsatz von 1.700 kommunalen Polizeikräften an. Sie stimmen sich angesichts möglicher Sachbeschädigungen mit der Nationalpolizei ab.
Zugleich widersprachen Spaniens Innenministerium und Polizei viralen Nachrichten, die ihnen pauschale Warnungen vor unmittelbar bevorstehenden Ausschreitungen in Madrid und Sevilla zuschrieben. Nach Angaben von RTVE erklärte die Polizei in Sevilla, bestimmte Gerüchte über geplante Angriffe auf Einkaufszentren seien nicht durch glaubwürdige Informationen gedeckt.
Deutsche Behörden unterscheiden zwischen örtlichen Risiken
In Deutschland bereiten sich die Behörden auf Proteste im Umfeld der Initiative "Gen Z regelt" vor. Im Blick stehen unter anderem Berlin, Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg, Leipzig und München. Die Organisatoren rufen zu friedlichen Demonstrationen für Bildung und ein bezahlbares Leben sowie gegen eine mögliche Rückkehr der Wehrpflicht auf.
Berlin plant mit rund 1.500 Einsatzkräften; auch Wasserwerfer stehen bereit. Einige Luxusgeschäfte haben ihre Fenster mit Platten gesichert. Die Polizei erklärte jedoch, es gebe keine Hinweise auf eine Mobilisierung zu schwerer Gewalt. Plünderungen im Ausmaß der französischen Ereignisse seien nicht zu erwarten.
Für Frankfurt kündigte das hessische Innenministerium eine starke Polizeipräsenz und zusätzlichen Schutz für den Einzelhandel an. Die Verantwortlichen rechnen dennoch mit einem normalen Geschäftsbetrieb und sehen keinen Anlass, Läden zu schließen.
Die Polizei Leipzig setzt bis Sonntag zusätzliche Kräfte ein und warnt vor Verkehrsbehinderungen. Zugleich betont sie, dass ihre Erkenntnisse keinen Vergleich mit den Verhältnissen in Frankreich oder Italien zulassen. Auch die Münchner Polizei verfügt nach Angaben von Euronews über keine konkreten Hinweise auf geplante Gewalttaten.
Händler in Den Haag treffen Vorkehrungen
In den Niederlanden haben Geschäfte in der Innenstadt von Den Haag ihre Fassaden angesichts der Online-Protestaufrufe verstärkt. Die niederländische Nachrichtenagentur ANP berichtete über Schutzplatten vor Geschäften wie MediaMarkt, Primark und Decathlon.
Die Stadt erklärte, sie sei auf eine mögliche Demonstration vorbereitet. Die Polizei werde sichtbar präsent sein und bei Störungen der öffentlichen Ordnung eingreifen. Eine Demonstration sei zwar nicht offiziell angemeldet worden, die kursierenden Internetnachrichten seien den Behörden aber bekannt.
Nach Angaben von ANP blieb in Den Haag unklar, wer hinter den Protestaufrufen steht.



