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Israel

Zeugnisse des 7. Oktober und KI: Symposium in Jerusalem ab 09:00 Uhr

Mikrofon und Kopfhörer auf einem Aufnahmetisch neben einem Archivarbeitsplatz
Symposium in Jerusalem, Zeugnisse des 7. Oktober Hinweis

Die Hebräische Universität Jerusalem und Edut 710 wollen am Mittwoch, dem 7. Oktober 2026, um 09:00 Uhr ein internationales Symposium über die Zeugnisse des 7. Oktober eröffnen. Drei Jahre nach den Angriffen geht es darum, wie Berichte Überlebender bewahrt, erforscht und im Unterricht vermittelt werden, während künstliche Intelligenz Teil der Archivarbeit wird.

Veranstaltungsort ist das Mandelgebäude auf dem Skopusberg in Jerusalem. Die offizielle Veranstaltungsseite von Edut 710 nennt 18:30 Uhr als Ende und bietet eine Anmeldung an. Forschende aus Israel und dem Ausland sollen ebenso teilnehmen wie Fachleute aus Bildung, psychischer Gesundheit und Medien.

Was um 09:00 Uhr beginnt

Das veröffentlichte Programm sieht von 09:00 bis 09:20 Uhr Begrüßung und Eröffnung vor. Anschließend folgt von 09:20 bis 10:00 Uhr der Eröffnungsvortrag. Die Angabe 09:00 Uhr bezeichnet somit den Beginn des Symposiums und keinen gesondert terminierten Start einer neuen Technologie.

Die Veranstalter wollen Edut AI vorstellen und Forschungsworkshops abhalten. Die Tagung verbindet drei Themen, die bei der Dokumentation jüngster Gewalt kaum voneinander zu trennen sind: Erinnerung, Ethik und Trauma. Die praktische Frage lautet, wie die Erfahrungen israelischer Zeugen zugänglich werden, ohne ihre individuellen Stimmen zu verlieren.

Ein Archiv mit den Zeugen im Mittelpunkt

Nach eigenen Angaben wurde Edut 710 am 9. Oktober 2023 von Freiwilligen gegründet, darunter Filmschaffende, Historiker, Archivare und Fachkräfte für psychische Gesundheit. Die öffentliche Sammlung gliedert Zeugnisse nach Bereichen wie Gemeinden, Musikfestivals, Städten, Sicherheitskräften und Rettungsdiensten, Militärstützpunkten sowie der beduinischen Bevölkerung des Negev.

Diese Vielfalt ist für Menschen wichtig, die den 7. Oktober vor allem mit einem Ort oder einer bekannten Geschichte verbinden. Das Archiv ermöglicht den Zugang zu Berichten aus unterschiedlichen Gemeinschaften und Situationen, statt die Erfahrungen aller Zeugen als austauschbar zu behandeln.

Die Organisation bezeichnet sich als gemeinnützig und politisch sowie medial ungebunden. Ihre erklärte Methode gibt Zeugen Raum, ihre Geschichte auf eigene Weise und mit möglichst wenigen Schnitten zu erzählen. Die Teams für Interviews und Feldarbeit erhalten Beratung und Unterstützung durch Fachkräfte für psychische Gesundheit.

Zudem unterscheidet die Organisation zwischen Bewahrung und Veröffentlichung. Aufnahmen werden für die Zeugen und im Archiv aufbewahrt; einige werden für Forschung, Gedenken und Bildung öffentlich zugänglich gemacht. Für Öffentlichkeitsarbeit und Mediennutzung verlangt Edut 710 nach eigenen Angaben die Zustimmung und Freigabe der Zeugen.

Was künstliche Intelligenz leisten soll

In einer Mitteilung vom 2. Juli beschrieb die Hebräische Universität Pläne für die Suche in natürlicher Sprache, Übersetzungen, Transkripte, Metadaten und ergänzende Materialien. Die geisteswissenschaftliche Fakultät werde die Infrastruktur und das archivfachliche Wissen für die Partnerschaft bereitstellen.

Damals meldete die Universität rund 2.000 aufgezeichnete Zeugnisse, von denen etwa 1.100 veröffentlicht waren. Das sind Zahlen vom Juli, keine neue Bestandsaufnahme zum Jahrestag. Sie verdeutlichen die Größenordnung der Suchaufgabe, ohne zu behaupten, jede Aufnahme sei bereits freigegeben.

Professorin Renana Kedar, die von der Universität als Beteiligte des Vorhabens genannt wird, hat eine weitere Schwierigkeit angesprochen: Wie beeinflussen Suchwerkzeuge, was Nutzer hören? Ein Bericht ihrer Fakultät vom 26. Juli über ihre Arbeit beschrieb die Sorge, ein gewöhnliches Suchfeld könne Verzerrungen hinter scheinbarer Objektivität verbergen.

Laut Fakultät soll der geplante intelligente Agent unterschiedliche Sichtweisen und Widersprüche innerhalb des Archivs abbilden. Das ist ein Entwicklungsziel und kein Beleg dafür, dass eine automatische Antwort jeden Zeugen korrekt repräsentiert. Leser und Forschende müssen weiterhin zwischen einem Suchergebnis und dem ursprünglichen Zeugnis unterscheiden, auf das es verweist.

Von der Aufzeichnung zum Unterrichtsgespräch

Die Bildungsseite von Edut 710 zeigt bereits einen konkreten Einsatz der Materialien. Sie bietet Unterrichtseinheiten von Dr. Noa Bar Hoshen und Professorin Dana Amir an, die Ausschnitte aus Zeugnissen, Diskussionsfragen sowie Schreibaufgaben und kreative Tätigkeiten verbinden. Außerdem beschreibt sie, wie sich mithilfe des intelligenten Archivs Unterricht zu einem Thema oder einer Frage entwickeln lässt.

Für Lehrkräfte ist diese Unterscheidung folgenreich: Einen passenden Ausschnitt zu finden, ist nur ein Teil der Entscheidung, wie traumatische Geschichte im Unterricht behandelt wird. Der Kontext, die Erfahrung der sprechenden Person und das Ziel des Gesprächs gehören weiterhin dazu.

Das Treffen am Mittwoch bündelt diese archivischen, technischen und pädagogischen Fragen in einem Programm. Für Interessierte ist die Eröffnung um 09:00 Uhr israelischer Zeit im Mandelgebäude angekündigt. Die Anmeldung erfolgt über die offizielle Veranstaltungsseite von Edut 710.

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