Syrien: Hisbollah-Zelle plante Anschlag auf Raffinerie in Homs

Syriens Sicherheitsbehörden erklärten am Dienstag, Mitglieder einer mit der Hisbollah verbundenen Zelle festgenommen und Sprengstoff für einen Anschlag auf die Raffinerie in Homs beschlagnahmt zu haben.
Die Erklärung vom 3. November benennt die mutmaßlich verantwortliche Organisation für einen Plan, den der syrische Geheimdienst erstmals am Sonntag bekannt gemacht hatte. Die staatliche Nachrichtenagentur SANA berichtete, der Allgemeine Nachrichtendienst habe gemeinsam mit den Kräften der inneren Sicherheit die Operation vereitelt und Mitglieder der Zelle festgenommen.
Eine neue Anschuldigung gegen die Hisbollah
Die Kräfte der inneren Sicherheit schreiben den geplanten Anschlag einer Zelle der libanesischen Terrororganisation zu. Nach der von SANA verbreiteten Erklärung waren die Sprengsätze für die Raffinerie bestimmt. Sowohl die Zuordnung der Gruppe als auch die Bestimmung des Sprengstoffs sind Angaben der syrischen Sicherheitsbehörden.
Die erste Mitteilung am Sonntag hatte einen vereitelten Terrorplan gegen dieselbe Anlage beschrieben, ohne die Hisbollah zu nennen. Mit der Erklärung vom Dienstag wird aus einer allgemeinen Sicherheitsmeldung somit eine konkrete Anschuldigung gegen die Organisation.
Sie erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die militärische Infrastruktur der Hisbollah im Südlibanon weiterhin im Fokus israelischer Sicherheitsoperationen steht. Der syrische Fall betrifft ein anderes Ziel: eine Anlage, die den heimischen Markt mit Kraftstoffen versorgt.
Warum die Raffinerie wichtig ist
Homs und Baniyas sind Syriens zwei wichtigste Raffinerien. SANA beschreibt die Anlage in Homs als bedeutenden Lieferanten von Erdölprodukten, darunter Diesel, Heizöl und Kerosin. Eine Störung einer solchen Anlage kann Verkehr, Industrie und die Versorgung mit Brennstoff zur Stromerzeugung beeinträchtigen.
Zuletzt waren Arbeiten zur Wiederherstellung von Produktionsanlagen vorgenommen worden. Im Oktober wurde die atmosphärische Destillationsanlage Nummer 10 instand gesetzt und gewartet. Ihre Auslegungskapazität beträgt laut SANA eine Million Tonnen Rohöl pro Jahr.
Diese Zahl bezieht sich auf die geplante Kapazität der Einheit. Sie verdeutlicht die Größenordnung der wiederhergestellten Technik, während die tatsächliche Produktion der Raffinerie von Rohstoffversorgung, Wartung und Betriebsbedingungen abhängt.
Ein Energiesystem unter Druck
Energieminister Mohammad al-Baschir erklärte am 20. September vor der syrischen Volksversammlung, die Regierung halte die Raffinerie Homs trotz ihres schlechten technischen Zustands in Betrieb, bis neue Raffineriekapazitäten geschaffen werden könnten.
In derselben Anhörung bezifferte er die nationale Verarbeitungskapazität auf etwa 150.000 Barrel täglich und die Einfuhren von Erdölprodukten auf weitere rund 150.000 Barrel pro Tag. Als zentrale Herausforderung nannte er die Beschaffung von Devisen für Rohöl, Treibstoffe und Ersatzteile.
Diese Angaben zeigen die wirtschaftliche Bedeutung des Schutzes bestehender Anlagen. Die Operation in Homs betrifft neben dem mutmaßlichen Terrornetz ein Energiesystem, das bereits von Importen und fortlaufenden Reparaturen abhängig ist.
Weitere Sicherheitsoperationen in Syrien
SANA stellte die Mitteilung vom Dienstag in den Zusammenhang anderer jüngster Einsätze gegen Terrorzellen. Am 1. November nahmen Geheimdienst und Sicherheitskräfte nach Agenturangaben zwei mutmaßliche Mitglieder einer Zelle des Islamischen Staates in der Provinz Deir ez-Zor fest.
Die Agentur verwies außerdem auf eine Operation vom 16. Oktober gegen einen IS-Plan zum Angriff auf eine Polizeipatrouille im Umland von Damaskus. Am 10. Oktober hatten die Behörden die Zerschlagung einer weiteren IS-Zelle in der Region Houla in der Provinz Homs gemeldet. Diese habe Anschläge auf Gebetsstätten und Sicherheitspatrouillen vorbereitet.
Die Aktivitäten der Hisbollah spielen auch beim libanesischen Umgang mit beschlagnahmtem Sprengstoff eine Rolle. Im Fall Homs erklärten die syrischen Behörden, die für den Raffinerieanschlag vorbereiteten Sprengsätze seien bei der Operation sichergestellt worden.



