CAM findet verdächtige Verstärkung rund um ein israelfeindliches Konto

Die Bewegung zur Bekämpfung von Antisemitismus, CAM, hat bei fast einem Viertel der untersuchten Konten im Umfeld von Wallface deutliche Hinweise auf Automatisierung oder falsche Identitäten festgestellt. Wallface veröffentlicht auf X israelfeindliche Inhalte. Damit rückt neben den Botschaften selbst auch der Mechanismus in den Blick, der ihre öffentliche Reichweite vergrößert.
Die am 21. Oktober 2026 veröffentlichte Untersuchung des Antisemitismusforschungszentrums von CAM kennzeichnete 2.597 von 10.709 unterschiedlichen Konten, also 24,3 Prozent. Diese Einordnung stammt aus dem Erkennungsmodell des Zentrums. Sie beschreibt eine ausgewählte Gruppe von Followern und beteiligten Konten, nicht das gesamte Publikum, das auf der Plattform über Israel diskutiert.
Welche Konten untersucht wurden
Die Prüfung fand am 19. und 20. Oktober statt. Sie erfasste 7.276 neuere Follower sowie Konten, die 139 Beiträge weiterverbreiteten, beantworteten oder zitierten. Nach Angaben von CAM stammten die Informationen aus öffentlich zugänglichen Daten der offiziellen Schnittstelle von X. Konten, die in mehreren Gruppen auftauchten, wurden in der Gesamtsumme nur einmal gezählt.
Unter den neueren Followern lag der Anteil gekennzeichneter Konten mit 27,2 Prozent am höchsten. Bei Weiterverbreitern waren es 23,7 Prozent, bei Antwortenden 13,9 Prozent und bei zitierenden Konten 8,0 Prozent. Diese Unterschiede sind relevant: Einem Profil zu folgen, seine Beiträge zu teilen oder sie zu kommentieren sind verschiedene Tätigkeiten. Nicht jede Interaktion ist deshalb gleichermaßen verdächtig.
Entscheidend ist das Verhalten
Das Modell bewertet laut CAM 32 Merkmale, darunter plötzliche Häufungen von Beiträgen, das Alter eines Kontos, wiederholte Texte und Muster bei Followern. Politische Ansichten fließen nicht in die Bewertung ein. Die Studie setzte mindestens 75 von 100 Punkten voraus und suchte nach Kombinationen von Merkmalen, statt ein Konto wegen einer einzelnen ungewöhnlichen Gewohnheit einzuordnen.
So bleibt das Thema der Untersuchung von ihrer Methode getrennt. Eine israelfeindliche Position ist für sich genommen kein Beweis für Automatisierung. Umgekehrt belegt ein großes sichtbares Publikum nicht, dass hinter jedem Profil eine andere Person steht. Diese Unterscheidung wird besonders wichtig, wenn Interaktionszahlen als Argument für die Verbreitung einer Haltung in der Öffentlichkeit dienen.
Überschneidungen zwischen mehreren Publikumsgruppen
CAM stellte außerdem fest, dass 428 gekennzeichnete Konten bereits in früheren Untersuchungen vorkamen. Davon waren 416 auch damals aufgefallen. Die Überschneidung spricht dafür, Aktivitäten über mehrere Publikumsgruppen hinweg zu prüfen. Sie identifiziert jedoch keinen gemeinsamen Betreiber und belegt nicht, dass die Inhaber prominenter Profile die betreffenden Interaktionen selbst in Auftrag gegeben haben.
Eine frühere, am 13. Oktober veröffentlichte Studie von CAM untersuchte 10.015 Konten, die 230 stark geteilte Beiträge von Mario Nawfal verstärkten. Sie kennzeichnete 4.054 Konten, also 40,5 Prozent. Da beide Untersuchungen unterschiedliche Stichproben verwendeten, erlauben die Prozentwerte weder eine direkte Rangliste von Nutzern noch eine Aussage über sämtliche Aktivitäten auf X.
X untersagt künstliche Reichweite bereits
Die Authentizitätsrichtlinie von X verbietet täuschende Identitäten und koordinierte Aktivitäten, die Konten oder Inhalte künstlich sichtbarer machen sollen. Zugleich erlaubt sie echte gemeinsame Meinungsäußerungen und getrennte Konten für legitime Zwecke. Zu den genannten Maßnahmen gehören eine Verringerung der Reichweite, zeitweilige Einschränkungen einzelner Funktionen und die Sperrung von Konten.
Für Leser von Nachrichten über Israel und jüdisches Leben folgt daraus eine praktische Unterscheidung: Popularität ist keine unabhängige Bestätigung. Tausende geteilte Beiträge können eine Behauptung verbreiten, ohne einen einzigen zusätzlichen Beleg zu liefern. Die neue Studie benennt konkrete Konten zur Prüfung. Die bestehenden Plattformregeln bieten zugleich einen Rahmen, um täuschendes Verhalten zu bewerten.



